Ich möchte Euch die Geschichte von Paloma erzählen, um all denen
den Wind aus den Segeln zu nehmen, die behaupten, ein Hund mit „nur“
drei Beinen habe keine Lebensqualität oder sei gar behindert. Diese
Menschen sollten hierbei bedenken, daß sie selbst nur ZWEI Beine
besitzen!
Paloma kam mit etwa 10 Monaten in unsere Pflegestelle
nach Wunstorf. Sie war als ganz kleiner Welpe auf Gran Canaria mit dem
Hinterbeinchen in eine Falle geraten.

Paloma, eine Podenca reiner Rasse, war natürlich
damit als Jagdhund für ihren Besitzer nutzlos und er brachte sie
zum Tierarzt zum Töten.
Für einen spanischen Jäger ist allein dieser Umstand fast bemerkenswert,
er hätte sie auch in einen Steinbruch werfen können...
Dass er Paloma zu Heriberto, dem Haustierarzt von Michaela's Auffangstation,
brachte, rettete ihr das Leben. Der Tierarzt amputierte das Bein und brachte
Paloma anschließend zu den deutschen Tierschützern.
Wer sich ein bißchen auskennt, weiß, wie risikoreich eine
solche Operation ist – gerade bei so einem kleinen Welpen. Deshalb
musste die kleine Paloma ihre ersten Lebensmonate in der Klinik verbringen
– ohne menschliche Zuwendung, ohne Spielgefährten...
Zu allem Übel verlor das arme Ding fast das gesamte
Fell – vermutlich durch die starke Sonne auf der Insel- daran war
die Haut nach den Monaten in der Klinik nicht gewöhnt. Sonnenbrand
und Pickelchen quälten Paloma, trotzdem genoß sie ihr neues
Leben vom ersten Tag. Am Haus von Michaela lernte sie schnell, auf den
drei verbliebenen Beinen zu laufen. Schon bald spielte und tobte sie mit
den anderen Junghunden wie jeder Vierbeiner. Wenn sie richtig los legte,
sah man den Unterschied nicht!

Mitte August kam Paloma zu uns.
Als mein Mann mitten in der Nacht vom Flughafen kam, dachte ich, in meinem
Hausflur steht ein ausgewachsener Presa Canario! Ich habe noch nie ein
so zartes Wesen so laut und dumpf knurren hören...
Trotzdem lief Paloma vom ersten Tag an mühelos die vier Stufen in
unsere Küche, sie spielte und machte alle Spaziergänge mühelos
mit. Und vor allem behauptete sie sich in unserem kleinen Hundrudel.
Wir begriffen den Unterschied: Hunde gehen nicht nach dem Äußeren,
ihnen ist es gleich, daß ein Artgenosse nicht „normal“
aussieht. Sie behandelten Paloma genauso wie alle anderen Hunde, auch
beim Spielen. Und sie stand ihnen in nichts nach!
Schon nach kurzer Zeit wurde die Haut besser. Der Sonnenbrand heilte ab,
das Fell begann zu wachsen. Außer einem Schuß gutem toskanischen
Olivenöl und einem Spezialschaum ließen wir sie in Ruhe regenerieren.
„Madame“ sah immer aus, als würden wir sie täglich
mit der Peitsche schlagen - denn sie rannte mit Liebe durch jedes Gestrüpp...

Wir haben Nachbarn, ein älteres Ehepaar.
Er, der Mann, war von Anfang an immer unfreundlich zu uns und machte uns
doch sehr deutlich, daß wir am besten wieder dahin gehen sollten,
wo wir hergekommen waren. Diese Einstellung änderte sich, als er
Paloma kennen lernte.
Sie – ja immer ohne Leine – ließ es sich nicht nehmen,
in Nachbar's Garten zu rennen und in Ruhe im Gemüsebeet zu graben.
Was soll man machen, wenn man noch vier weitere Hunde dabei hat? Am Grundstücksrand
stehen und leise rufen, damit keiner was merkt – und hoffen, daß
der Hund seinem Hobby vielleicht doch woanders nachkommen möchte....
und verdammt nochmal kommt... aber statt dessen kam Herr P. und teilte
mir freundlichst mit, daß er doch eigentlich gar nichts gegen Tiere
habe und schon gar nichts gegen uns. Er habe selbst eine behinderte Katze
gehabt und Paloma könne ruhig noch ein bißchen buddeln...
Seit diesem Tag werden wir auf's Freundlichste gegrüßt –
wir haben das Gefühl, daß Paloma ein Lächeln in das Gesicht
dieses Mannes gezaubert hat!

Sie zog dann Ende November zu Sandra und Ralph an die
Elbe. Sandra und Ralph waren schon länger auf der Suche nach einer
Spielgefährtin für ihren jungen Dobermann-Terrier-Mix. Ihnen
hatten es die Podencos angetan. Wie sie mir erzählten, haben sie
zunächst gar nicht gesehen, daß Paloma ein Dreibein ist, sondern
sich einfach in sie verliebt. Das fand ich schön, denn ich wollte
keinesfalls, daß Paloma nur aus Mitleid vermittelt wird.
Nun ist sie in ihrem neuen zu Hause und gräbt dort
die Landschaft um!
Wer
sie und ihren Charme einmal kennen gelernt hat, weiß, wie traurig
wir waren, als wir sie hergaben. Doch wir sind sicher, daß sie nun
in einem anderen Haus ihre Lebensfreude versprüht.
Ich habe einmal unter der Rassebeschreibung des Podenco
folgendes gelesen: Man kann sie nicht in eine bestimmte Kategorie einordnen.
Podenco's sind eine Mischung aus Jagdhund, Windhund und Philosph.
Und das manchmal mit drei Beinen...